Heiliger Ort – Ein Ort des Grauens – und der unerwarteten Lebensfreude

Zwischen den Ruinen der Krematorien II und III im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, an jener Stelle, an der die Nationalsozialisten kurz vor der Befreiung des Lagers versuchten, ihre Verbrechen zu vertuschen, liegt ein Ort von unfassbarer Tragweite. Hier wurden unzählige Menschen entrechtet, erniedrigt und ermordet – Juden aus fast allen Teilen Europas, Roma und Sinti, Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Franzosen, Tschechen, Ungarn, Niederländer, Griechen, Italiener, Deutsche und Österreicher, Jugoslawen, Slowaken, Bulgaren, Kroaten, Rumänen – ebenso wie Menschen mit Behinderungen, sogenannte „Asoziale“, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Regimegegner.

Als ich diesen Ort mit meiner Familie besuchte, war eine besondere, kaum beschreibbare Energie zu spüren. Eine tiefe Stille lag in der Luft – keine Vögel, kein Laut der Natur. Es war, als würde selbst die Welt innehalten angesichts des unvorstellbaren Leids, das hier geschah. In dieser beklemmenden Ruhe liegt zugleich eine heilige Mahnung: Das unsagbare Leid darf nicht vergessen werden. Dieser Ort ist ein Mahnmal gegen das Vergessen – und für das Leben.

Unweit davon befindet sich eine unscheinbare Grube – dort, wo einst die Asche der Ermordeten ausgeschüttet wurde. Regen und Zeit haben sie zu einer harten, fast betonartigen Fläche verdichtet. Es wirkt, als hätte sich die Erde selbst in ein Mahnmal verwandelt – still, aber ewig sprechend. Für uns war das eine der ergreifendsten Stellen überhaupt.

Dieser Ort ist für mich ein heiliger Ort. Nicht im klassischen Sinn, aber im tiefsten spirituellen: ein Ort der Erinnerung, der Verantwortung – und der unaussprechlichen Würde derer, die hier ihr Leben verloren.

Und doch geschah inmitten dieser Schwere etwas Unerwartetes: ein Moment der Erleichterung. Die Erkenntnis, dass das Grauen vorbei ist, dass wir heute leben dürfen, brachte eine stille, merkwürdige Lebensfreude mit sich. Als würde das Leben selbst sich zurückmelden – leise, aber bestimmt.

Tomek G.